GEOs unterwegs auf den Peaks of the Balkans – manchmal ein Trip „Durch das Land der Skipetaren“

POB_Kara Ben Nemsi…einsam steht man am Hridsko Jezero – logischerweise, kein Mensch verirrt sich dorthin – und rechnet jeden Moment damit, dass Kara Ben Nemsi auf seinem Pferd um die Ecke biegt.

Letztlich sitzt aber ein montenegrinischer Bergbauer auf dem Pferd, der einem den richtigen Weg weist, hurra, die Rettung und zum Kaffee einlädt.

POB_Sedlo ZavojWovon rede ich eigentlich? – Die „Peaks of the Balkans“ sind weitestgehend eine Schöpfung der „Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit“, ein direkter Dienstleister der Bundesregierung. Im Jahr 2015 meldete die GIZ, dass „der grenzüberschreitende Wanderweg “Peaks of the Balkans” den angesehenen Tourism of Tomorrow-Award (Tourismus von morgen) des Tourismus-Weltverbandes WTTC gewonnen hat.“ Die Laudatio spricht von ausgebauten Wanderwegen, Wegweisern, Orientierungskarten und Gästehäusern. Dann noch den Führer „Peaks of the Balkans“ aus der Outdoor-Serie im Gepäck und nichts sollte mehr schiefgehen.

POB_Doberdol_KüheLos geht ‘s also:

Die Markierung, die uns die nächsten 10 Tage begleiten soll, ist schnell gefunden, Wegweiser auch kein Problem, genauso steht es auch im Outdoor-Wanderführer. Die Pfade werden kleiner und unscheinbarer, es helfen die Markierungen und nach einer guten Stunde hat man eine wunderbare, blühende Almwiese erreicht – und die erste Sackgasse.

Kein Weg führt aus der Wiese, die Markierungen wurden wohl auch abgebaut, über eine Stunde Sucherei, keine Chance, wir müssen zurück, auf halber Strecke ein bewohntes Bauernhaus. Von der Bäuerin werden wir dann gleich kurz hinter dem Haus in einen versteckten Pfad eingewiesen, keine Markierungen mehr, auch unser Outdoor-Autor schweigt sich darüber aus…PoB_Weg zum Roshkodol

So oder so ähnlich geht das weiter, auf Etappe 2 schlägt der Wanderführer eine Abkürzung vor, die auch gut beschildert ist, im Schwierigkeitsgrad „easy“. Diesen sehr versteckten Pfad würde der Alpenverein mit einem seiner „Lebensgefahr“-Schilder versehen, was Sinn macht, wenn ein Teil des Weges an einem Steilhang weggebrochen ist…

POB_Doberdol_KücheDass die im Wanderführer versprochenen Camping-Hütten in Babino Polje längst zerfallen sind, ist dann auch schon nicht mehr das ganz große Problem. Im Bauernhof gleich um die Ecke werden wir schon fast erwartet und nach wenigen Minuten ist das Nachtlager über dem Kuhstall startklar – nur das Ofenrohr des Holzofens muss flugs noch ausgetauscht werden.

Das ist sozusagen die Kehrseite der Medaille – und die andere Seite?

PoB_bei RobertTraumhafte, unberührte Berglandschaften in allen Variationen, bewaldete Mittelgebirgszüge, übergehend in raues Hochgebirge. Dazwischen tief eingeschnittene, weitestgehend unbewohnte Täler, einige wenige, sehr windschiefe Sommeralmen und überall diese herzliche Gastfreundschaft – so man hin und wieder Menschen begegnet.

In den wenigen Bergdörfern findet man einfache Unterkünfte, dann wird aufgekocht, was die die Natur hergibt, nahrhafter Eintopf, Käse, Byrek (die albanische Variante des Börek) und eigentlich auch immer eine kühle Dose Tirana-Bier. Natürlich nie fehlen darf zu jeder Mahlzeit das obligatorische bukë, selbst gebackenes Brot.

POB_ÜbersichtskarteDer „Peaks of the Balkans“ ist ein Fernwanderweg, der auf 10 kräftezehrende Etappen ausgelegt ist.

Im Outdoor-Wanderführer starten und enden die ca. 190 km im albanischen Dorf Theth, von wo aus es in nordöstlicher Richtung durch Albanien geht, bis man auf der vierten Etappe in den Kosovo absteigt.

Hier zieht der Weg eine Schleife durch die Berge des Kosovo und Montenegros, bevor es auf der Schlussetappe wieder nach Theth in Albanien geht.

PoB_RucksackDie vorgeschlagenen Tagesetappen sind in Zeit und Länge durchaus knackig: 15-22 km, 5-9 Stunden, bis zu 2500 HM.

Wem das nicht genügt, der kann noch einige Gipfelbesteigungen mit einstreuen wie den Hajla (2403 Meter) oder den Gjeravica (2656 Meter) im Kosovo.

Der wirklich beschwerliche Aspekt der „Peaks“ ist, wie einleitend ausführlich beschrieben, die oft lückenhafte bis gar nicht vorhandene Markierung, verbunden mit teils falschen, teils irreführenden Beschreibungen im momentan einzig verfügbaren Wanderführer „Peaks of the Balkans“ in der Outdoor-Serie im Conrad Stein Verlag. Leider gehört es zur Tagesroutine, dass man regelmäßig an Abzweigungen oder Wegkreuzungen nicht weiter weiß, und dass der Wanderführer eben genau hier keine Hilfestellung bietet, bzw. auf Wegpunkte verweist, die so schon längst nicht mehr auffindbar sind.

Damit ist auf den eh schon sehr langen Etappen die Gehzeit meistens nicht einhaltbar und einige Kilometer unfreiwilliger Wegstrecke muss man auch noch drauflegen…

Die Karte aus dem Huber-Verlag im Maßstab 1:60.000 hat so den Namen Wanderkarte leider auch nicht verdient. Für eine grobe Übersicht sollte man die Karte trotzdem unbedingt im Gepäck haben. Alternativen gibt es bislang nämlich leider noch nicht…

Fazit:PoB_Knie und Karte

Landschaft und Natur: 10 Punkte von 10

Gastfreundschaft: ebenfalls 10 Punkte

Wegmarkierungen: maximal 5 Punkte

Karte und Wanderführer: im Ärger auch mal 0 Punkte…

Erforderliche Ausdauer: 8 von 10 

Technische Schwierigkeit: 4-5 von 10

 

Christian Funk

Mehr über Christian Funk gibt es HIER.


Peaks of the Balkans 060T Cover

Klappentext

Detaillierte Landkarte für das Grenzgebiet Albanien – Montenegro – Kosovo. Die Rückseite der Wanderkarte enthält ausführliche Beschreibungen der Trails sowie nützliche Informationen und Tipps. Legende auch auf deutsch.

Details

  • ISBN: 978-3-943752-16-8
  • Verlag: Huber Kartographie
  • Erscheinungstermin: 21. November 2012
  • Maßstab: 1:60.000
  • Sprache: Englisch
  • Gewicht: 78g
  • Maße (L*B*H): 23cm * 12,4cm * 0,3cm
  • Preis: 13,90 Euro
  • Papier


POB_Conrad Stein

Klappentext

2012 wurde mit dem Peaks of the Balkans ein abenteuerlicher neuer Fernwanderweg im Dreiländereck zwischen Albanien, Kosovo und Montenegro eröffnet. Dieser Wanderführer liefert eine genaue Beschreibung des knapp 200 km langen Weges durch die faszinierende Landschaft rund um die Gipfel des Balkans.

Mit vielen Tipps zu Themen wie Anreise, Grenzübertritten und Reisewetter, Hinweisen zu Unterkünften und Exkursen zu Land und Leuten beinhaltet das Buch alle Informationen, die man für eine Wanderung auf diesem Weg braucht. Bei der Orientierung helfen neben der detaillierten Beschreibung genaue Karten und Höhenprofile zu jeder Etappe. Zahlreiche Fotos verstärken die Wander- und Abenteuerlust.

Details

  • ISBN: 978-3-86686-465-8
  • Verlag: Conrad Stein Verlag
  • Erscheinungstermin: 30. März 2015
  • Umfang: 125 Seiten
  • Sprache: Deutsch
  • Gewicht: 139g
  • Maße (L*B*H): 16,5cm * 11,5cm * 1,2cm
  • Preis: 10,90 Euro
  • Kartoniert


NOCH NICHT ERSCHIENEN!

POB_Rother

Klappentext

Der »Peaks of the Balkans« ist einer der letzten Abenteuertrails Europas. Der 192 Kilometer lange Rundweg verläuft durch die abgelegenen und wilden Bergregionen Montenegros, Albaniens und des Kosovo. Zusätzlich zum eigentlichen Trail beschreibt der Rother Wanderführer zahlreiche Tagestouren.

Die Routen führen meist auf alten Hirten- und Handelspfaden, durch atemberaubende Hochgebirgslandschaften und grüne Täler mit alten Dörfern, wo die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Der Ursprung des Rundwanderwegs liegt in der Idee, die Menschen im einst vom Krieg gestreiften Gebiet einander wieder näher zu bringen. Außerdem stellt er eine Maßnahme zur sanften Tourismusentwicklung dar, um Einkommensmöglichkeiten für die Bergbewohner zu schaffen, die Landflucht zu bremsen und die Kultur zu bewahren.

 

Details

  • ISBN: 978-3-7633-4491-8
  • Verlag: Bergverlag Rother
  • Erscheinungstermin: 07. September 2016
  • Umfang: 128 Seiten plus Tourenkarte zum Rausnehmen
  • Sprache: Deutsch
  • Maße (L*B*H): 16,5cm * 11,5cm * 1,2cm
  • Preis: 14,90 Euro
  • Kartoniert

Gleich unverbindlich reservieren mit unserem GEOBUCH-Service CLICK & COLLECT.



One response to “GEOs unterwegs auf den Peaks of the Balkans – manchmal ein Trip „Durch das Land der Skipetaren“”

  1. Hallo Christian, vielen Dank für deine tolle Zusammenfassung, auf unserer Website haben wir eine Übersicht die die Bedingungen des Trails beschreibt, ein Formular um die Permits zu beantragen und auch GPS Tracks zum Herunterladen. Ich hoffe der Link hilft bei der individuellen Reiseplanung: http://zbulo.org/gipfel-des-balkans-peaks-of-the-balkans/

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